Steigende US-Inflation legt US-Zinspause nahe


US-Inflation höher erwartet


Die im März im Zuge des Irankrieges massiv angestiegenen Energiepreise dürften auch die heute zur Veröffentlichung anstehenden US-Inflationsdaten deutlich nach oben gezogen haben. Wir rechnen hier mit einem Anstieg der US-Konsumentenpreise um 0,9 % auf Monatsbasis (Februar: 0,3 %) und 3,3 % im Jahresvergleich (Februar: 2,4 %). Da noch immer kein wirkliches Ende des Konflikts erkennbar ist und zudem ein hohes Risiko besteht, dass auch nach Ende der Kampfhandlungen der Weltmarkt für Öl und LNG noch längere Zeit unter Druck bleiben wird, könnte sich der energieinduzierte Inflationsanstieg durchaus noch fortsetzen. Mit Blick auf die US-Fed rechnen wir daher mit einer längeren Zinspause. Auch andere Notenbanken werden ihre geldpolitische Strategie vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse gerade überdenken.

Waffenstillstand brüchig

US-Präsident Trump erklärte am späten Donnerstag in einem Social-Media-Beitrag, der Iran mache seine Sache bei der Ermöglichung von Öltransporten durch die Straße von Hormus sehr schlecht. Israel bombardiert Ziele im Libanon, während Vermittler Pakistan erklärte, der Libanon sei Teil des Waffenstillstandsabkommens. Vor diesem Hintergrund blockiert der Iran weiterhin die Straße von Hormus. In den ersten 24 Stunden des Waffenstillstands fuhren nur ein einziger Öltanker und fünf Frachter durch die Meerenge, durch die normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen abgewickelt wird und vor dem Krieg täglich 140 Schiffe unterwegs waren. Eine nachhaltige Entspannung am Öl- und LNG-Markt ist vor diesem Hintergrund kaum zu erwarten.

Ohne (relativen) Frieden keine Ruhe


Was auch immer die Finanzmärkte gerade kurzfristig spielen: Solange die Straße von Hormus für den größten Teil der Schiffe gesperrt bleibt, wird es keine Ruhe geben. Zu wichtig ist das Nadelöhr für die Energieversorgung der Welt. Und die Weltwirtschaft ist zu vernetzt, um den Konflikt als regional begrenzt betrachten zu können. Wenn internationale Lieferketten wegen Energiemangels oder massiv gestiegener Energiepreise reißen, trifft dies letztlich alle. Mit Blick auf die Gefährdung der Lebensmittelversorgung in vielen Entwicklungsländern aufgrund ausbleibender Düngemittellieferungen bekommt dieses Drama noch eine zusätzliche beunruhigende Dimension. Die Märkte werden vorerst wohl weiterhin vor allem von der Geopolitik dominiert werden. Der Blick auf die maßgeblichen Akteure auf beiden Seiten des Golf-Dramas ist einem ruhigen Schlaf jedenfalls nicht förderlich.


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