Reversal-Day bei Aktien und Rohöl


Ölpreis erst auf Berg...


Der Irankrieg hält die Finanzmärkte weiter im Würgegriff. Die Ölpreise, sowohl für WTI als auch für Brent, überwanden die Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Brent legte im Tagesverlauf gar auf nahezu 120 US-Dollar zu. Die Gründe für den fortgesetzten Preisanstieg: Die Angriffe der Kriegsparteien gehen unvermindert weiter, und eine Entspannung in puncto Ölversorgung ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Die Straße von Hormus bleibt quasi unpassierbar, und in den Lieferländern laufen die Öllager voll, was Produktionsstilllegungen nach sich zieht. Das gleiche gilt für Flüssiggas. Zudem zeigt die Ernennung von Modschtaba Chamenei, dem Sohn des getöteten Obersten Führers Ali Chamenei, dass das Regime mehr oder weniger fest im Sattel sitzt und vor allem handlungsfähig bleibt.

  • ...und dann auf Talfahrt

Im weiteren Verlauf kamen die Ölpreise zurück, weil die Financial Times berichtete, dass die G7-Staaten die Freigabe strategischer Ölreserven erwägen. Zudem wurde bekannt, dass die US-Regierung die Sanktionen gegen russisches Öl weiter lockern möchte. Und Donald Trump mutmaßte, dass der Iran-Krieg bald beendet sein könnte. Dies drückte den Preis für ein Barrel Brent wieder unter die Marke von 100 USD je Fass - zuletzt wurden 93 USD bezahlt. Ein "Reversal-Day" auch an den Aktienmärkten: US-Aktien drehten ins Plus; der S&P 500 beendete den Handelstag mit einem Zugewinn von 0,6 %. Auch die asiatischen Märkte tendieren heute früh freundlich.

Zinserhöhungen? Wohl kaum


Die steigenden Energiepreise schüren in diesen Tagen Inflationsängste, was wiederum die Leitzinserwartungen, vor allem in Europa ansteigen ließ. Zwischenzeitlich preisten die Akteure an den Geldmärkten gar zwei Zins-anhebungen durch die EZB ein, um dem drohenden Energiepreisanstieg entgegen zu wirken. Dabei könnten die Anleger wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen sein. Sollte die EZB die Inflationseffekte als temporär einschätzen, dürften sie die Füße still und den Einlagesatz unverändert lassen, zumal ein Dilemma droht: Ein möglicher Energiepreisschock könnte die Konjunktur abwürgen, was die Notenbank eigentlich durch expansivere Maßnahmen flankieren sollte.

Konjunktur schon im Januar schwach


Für eine Beurteilung der Konjunkturauswirkungen des Iran-Krieges ist es freilich zu früh. Die gestern veröffentlichten Daten zeigten jedoch schon für den Monat Januar Bremsspuren. Nach Angaben von Destatis gingen die monatlichen Neuaufträge um 11,1 % zurück, und die Produktion sank um 0,5 % zum Vormonat. Mit einem deutlichen Rückgang des Auftragseingangs war aufgrund der starken Vormonate zwar allgemein gerechnet worden. Dass es gleich zweistellig abwärts geht, ist dann aber doch eine herbe Enttäuschung. Zudem wurden Produktionsdaten für den Januar veröffentlicht. Der erneute Rückgang in der Produktion in Höhe von 0,5 % liegt dagegen im normalen Schwankungsbereich. Nachdem in der Summe die Zahlen aus der Industrie in den Vormonaten überwiegend positiv überraschten, hat sich gestern die Konjunktur wieder von ihrer unbeständigen Seite gezeigt.


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