Richtungsweisende Notenbank-Sitzung


Fed-Sitzung im Fokus


Die gemischten Signale der letzten US-Konjunkturdaten geben der Fed auf ihrer heutigen Zinssitzung wohl keine klaren Handlungsempfehlungen. Da wäre zum einen die trübere Konsumentenlaune, die für eine frühere Leitzinssenkung spricht. Die in der vergangenen Woche veröffentlichten US-Einzelhandelsumsätze stiegen im Vormonatsvergleich um 0,6 % und blieben damit hinter den Erwartungen (+0,8 %) zurück. Dabei wurden die Januar-Daten von -0,8 % auf -1,1 % nach unten korrigiert. Zum anderen stiegen die Erzeugerpreise im Vormonatsvergleich um 0,6 % und damit doppelt so stark wie erwartet. Dies unterstreicht den anhaltenden Inflationsdruck und würde für ein längeres Belassen der Leitzinsen auf dem aktuellen Plateau bei 5,5 % sprechen, welches seit Juli 2023 existiert. Aufgrund der bereits von Fed-Chef Powell gegebenen Signale gilt es als ausgemacht, dass es heute noch zu früh für eine Zinswende ist. Die aus Marktdaten berechnete Wahrscheinlichkeit das es heute zu keiner Leitzinssenkung kommt, liegt bei 99 %. Auch für die Mai-Sitzung erwarten 91 % keine Veränderung. Im Juni überwiegt bereits die Wahrscheinlichkeit für eine Senkung (62 %). Doch erst für den Fed-Entscheid Ende Juli wäre ein Senkungsschritt von 25 Bp wahrscheinlich (77 %). Im Rahmen der heutigen Sitzung erhoffen sich die Investoren indes Hinweise auf etwaige Abkehrpläne von der Hochzinspolitik zu erhalten. Insbesondere stehen hierbei die Fed-Prognosen für das Wachstum und die Inflation im Vordergrund. Gleichzeitig könnten die Notenbanker den projizierten Leitzinspfad (FOMC Dot Plot) im Vergleich zu ihrer Dezemberprojektion straffen. Dementsprechend könnte es anstatt der bisher erwarteten drei Zinssenkungen um jeweils 25 Bp bis Jahresende 2024 nur noch zwei Senkungen um ebensolche Größeneinheiten geben. Dies hätte wiederum Anpassungen seitens der Markterwartungen zur Folge, wodurch der Druck auf kurzfristige US-Staatsanleihen zunehmen könnte und diese temporär höher rentieren dürften.

Kein Grund für Nervosität


Im Vorfeld der Fed-Zinssitzung haben sich die Anleger gestern an den europäischen Aktienmärkten vorsichtig optimistisch gezeigt. Der DAX kam wieder in die Nähe der 18.000er-Marke und tastete sich in der Spitze um 0,4 % auf bis zu 17.998 Punkte vor. Der Euro Stoxx 50 zog zum Handelsschluss um rund 0,5 % auf 5.008 Zähler an. So gut wie keine Nervosität herrschte an der Wall Street. Der Dow Jones, der breiter gefasste S&P 500 sowie der Index der Technologiebörse Nasdaq schlossen gestern allesamt im grünen Bereich.

Chinas Notenbank rührt sich nicht


Heute Morgen haben im Nachgang des monatlichen Zinsentscheids der chinesischen Zentralbank die Banken ihre Kreditreferenzzinsen wie erwartet nicht verändert. Der einjährige Leitzins (Loan Prime Rate, LPR), auf dem die meisten neuen und ausstehenden Kredite in China basieren, wurde bei 3,45 % belassen. Gleichwohl blieb der fünfjährige LPR-Referenzsatz unverändert. Dieser beeinflusst die Preisgestaltung von Hypotheken und wurde zuletzt im Februar um 25 Bp auf 3,95 % gesenkt, um die Konjunktur anzukurbeln. Nach dem Zinsentscheid fassten die Anleger in China offenbar neuen Mut. Die Börse in Shanghai legte um 0,5 % zu. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen, CSI 300, gewann 0,2 %. In Japan blieben die Börsen heute aufgrund eines Feiertags geschlossen.

Konjunkturerwartung hellt sich auf


In Anbetracht der absehbaren EZB-Zinswende beurteilen Börsenprofis die Konjunkturaussichten für Deutschland und die Eurozone deutlich besser als zuletzt. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung in den kommenden sechs Monaten stieg im März hierzulande um 11,8 Punkte auf plus 31,7 Zähler. Damit setzt sich der seit August 2023 bestehende Aufwärtstrend fort. Allerdings blieben die Befragten in ihrer Einschätzung zur aktuellen Wirtschaftslage weiterhin pessimistisch. Für Deutschland stieg die Beurteilung um gut einen Punkt auf -80,5 Punkte. Für die Eurozone ging es in einem vergleichbaren Ausmaß nach unten.


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