Hohe Inflation und Nahost-Sorgen


ZEW-Konjunkturerwartungen steigen


Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktprofis in Deutschland haben sich im Mai überraschend aufgehellt. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen legte nach drei Rückgängen in Folge von minus 17,2 Punkten im Vormonat auf nun minus 10,2 Punkte zu und übertraf damit die Konsensschätzungen der Ökonomen. Gleichzeitig trübte sich jedoch die Einschätzung der aktuellen Lage weiter ein. Der entsprechende Lageindex sank von minus 73,7 auf minus 77,8 Punkte. Trotz der Verbesserung der Konjunkturerwartungen bleibt die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland angespannt. Beide Indikatoren verharren deutlich im negativen Bereich, und die verschlechterte Lagebeurteilung macht deutlich, dass von einer robusten Erholung keine Rede sein kann. Vorschneller Optimismus wäre daher fehl am Platz. Vielmehr stellt der ungelöste Konflikt im Nahen Osten ein erhebliches Abwärtsrisiken für die ohnehin fragile Erholung dar. Vor diesem Hintergrund ruhen die Hoffnungen im Irankrieg zunehmend auf diplomatischen Vermittlungsbemühungen. Eine besondere Rolle wird China zugeschrieben, dem man das Potenzial zutraut, als vermittelnde Kraft zwischen den Konfliktparteien aufzutreten. Der Besuch von Donald Trump in China vom 13. bis 15. Mai erhält deshalb zusätzliche Brisanz.

Hoher Druck in der Inflationspipeline


Die im Zuge des Iran-Krieges gestiegenen Energiepreise befeuern die Inflation in den USA. Die Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat und damit etwas stärker als von Volkswirten erwartet. Auch die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, legte im April zu - und zwar auf 2,8 %, nach 2,6 % im März. Dieser Wert gilt als aussagekräftiger Indikator für den zugrunde liegenden Inflationstrend und prägt die geldpolitische Entscheidungsfindung maßgeblich. Vor diesem Hintergrund hielt die Fed den Leitzins zuletzt unverändert in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 %. Angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten und der anhaltenden Spannungen am Energiemarkt infolge des Iran-Kriegs erscheint eine baldige Lockerung der Geldpolitik derzeit wenig wahrscheinlich. Der gestern vom US-Senat bestätigte neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh dürfte damit gezwungen sein, die Zinssenkungswünsche des US-Präsidenten zu enttäuschen.

Bei den Unternehmenszahlen spielt die Musik

Der Makrokalender ist heute dünn bestückt. Publiziert werden die EWU-BIP-Zahlen für das erste Quartal und die Industrieproduktion für März. Zudem steht der US-Produzentenpreisindex für April auf der Agenda. Auf Unternehmensseite legen u.a. Allianz, Deutsche Telekom RWE, E.ON und Merck KGaA ihre Q1-Zahlen vor. In Baden-Württemberg wird Cem Özdemir zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.


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