Ein halbes Dutzend Zinsanhebungen


Das werden sehr anspruchsvolle Tage diese Woche. Die Marktstimmung ist eingetrübt, die Konjunkturaussichten gedämpft, die Inflationsaussichten ernüchternd, und rund ein halbes Dutzend Zentralbanken wird in den kommenden Tagen an der Zinsschraube drehen. Das Marktbild zum Wochenauftakt präsentiert sich denn auch so, wie wir es von den vergangenen Wochen her kennen: Aktien- und Rentenmärkte wie auch der Euro tendieren zunächst eher schwach.

Möglicherweise – und bei dieser Einschätzung sollte man wirklich sehr vorsichtig sein – aber möglicherweise erleben wir in dieser Woche den Höhepunkt des globalen geldpolitischen Straffungszyklus. „Höhepunkt“ bedeutet freilich nicht „Ende“, sondern „Höhepunkt“ sollte verstanden werden als „Maximalgeschwindigkeit“. Die Leitzinsanhebungen, die wir in dieser Woche von einer Reihe von Notenbanken erwarten, werden kräftig ausfallen. Aber möglicherweise werden künftige Zinsanhebungsschritte kleiner sein, das geldpolitische Straffungsmomentum könnte sich mithin abschwächen.

Was kommt da im Einzelnen auf uns zu? Am prominentesten ragt die amerikanische Federal Reserve heraus. Nach den Erkenntnissen zu Konjunktur, Inflation und Arbeitsmarkt, die wir seit dem letzten FOMC-Treffen erhalten haben, ist eine Zinsanhebung um 75 Bp von 2,50% auf 3,25% das mindeste, was wir am Mittwochabend erwarten sollten. Ein kleinerer Schritt gilt als nahezu ausgeschlossen, wenn überhaupt, könnte eine Anhebung um 100 Bp diskutiert werden.

Eine Zinsanhebung von ebenfalls 75 Bp wird auch von der Schweizer Notenbank SNB am Donnerstagvormittag erwartet. Noch ist das Leitzinsniveau in der Schweiz bei ‑0,25% negativ. Die Volkswirte sehen jedoch auch eine realistische Chance für eine Zinsanhebung um „nur“ 50 Bp, einige wollen jedoch auch einen Schritt um 100 Bp nicht ausschließen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Notenbanken entscheidet die SNB lediglich einmal pro Quartal über ihre Zinsen, nicht zwei Mal.

Die Bank of England hatte ihre eigentlich für vergangene Woche geplante Leitzinsentscheidung wegen des Ablebens von Queen Elizabeth II. um eine Woche verschoben. Am Donnerstagmittag dürfte die BoE den Leitzins von 1,75% um 50 Bp auf 2,25% anheben. Ursprünglich galt sogar ein Zinsschritt um 75 Bp als wahrscheinlich. Die Pläne der neuen Premierministerin Liz Truss zur Begrenzung der Energiepreisrechnungen dürften jedoch verhindern, dass es zu einem Inflationsauftrieb kommt, den einige Beobachter in Richtung 20% gesehen hatten. Im Norden Europas geben die Sveriges Riksbank und die Norges Bank ihre Zinsentscheidungen bekannt. In Schweden gilt morgen eine Zinsanhebung von aktuell 0,75% um 75 Bp auf 1,50% als sehr wahrscheinlich. In Norwegen dürfte der Leitzins am Donnerstag von 1,75% um 50 Bp auf 2,25% angehoben werden.

In Asien wird in der Nacht zu Donnerstag die Bank of Japan ihre geldpolitischen Beschlüsse bekanntgeben. Der Inflationsdruck in Japan ist im internationalen Vergleich mit zuletzt mit 2,6% relativ gering. In der kommenden Nacht erhalten wir neue Zahlen für den Monat August, erwartet wird ein Anstieg der Jahresteuerungsrate auf 2,9%. Ein großes Problem für die Währungshüter in Tokio ist die Abwertung des japanischen Yen. USD-JPY war während der letzten zwei Wochen zwei Mal auf 145 und damit auf das höchste Niveau seit 24 Jahren gestiegen. Finanzministerium und Notenbank verschärften daraufhin ihre Verbalinterventionen, ohne damit bislang jedoch durchschlagenden Erfolg zu haben. Heute früh handelt das Währungspaar bei 143,50 nur geringfügig unterhalb dieser 145er-Marke. Die schwache Währung wird zunehmend für eine Belastung auf der Importseite. Alles in allem wird jedoch nicht erwartet, dass die BoJ ihre geldpolitische Ausrichtung entscheidend ändern wird. Der Vollständigkeit halber sei noch eine erwartete 75-Bp-Zinsanhebung der Zentralbank Südafrikas erwähnt.

In den meisten Fällen preisen die Geldmärkte etwas mehr ein als von den Volkswirten im Konsens erwartet wird. Die Notenbanken könnten die Anleger mit „Konsens-Anhebungen“ also etwas auf der „dovishen“ oder aber mit stärkeren Zinsanhebungen klar auf der „hawkishen“ Seite überraschen. Am Ende dieser Woche wissen wir mehr, starke Kursausschläge in allen Marktsegmenten erscheinen in jedwedem Szenario garantiert…

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