EZB: 50 Bp oder 75 Bp und viel drumherum


Mit deutlich weniger Anspannung als noch zu Beginn der Woche blicken die Anleger heute auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank sowie auf die Rede des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Das Ausmaß der Zinsanhebung durch die EZB ist weiterhin unklar, es gibt gute Argumente sowohl für einen kleineren 50-Bp-Schritt wie auch für eine größere 75-Bp-Anhebung. Nachdem die Märkte mehr oder weniger „fifty-fifty“ positioniert sind, ist eine recht ausgeprägte Kursreaktion ziemlich wahrscheinlich, vor allem in den Rentenmärkten. Die Marktreaktion könnte überdies von weiteren Ankündigungen der Notenbank zu technischen Details, die eine Rückkehr in positives Leitzinsterritorium mit sich bringt, geprägt sein.

Die Aktienmärkte befinden sich aktuell in einer kleinen Erholungswelle. In den USA konnten die Indizes gestern bis zu rund 2% zulegen, und die Futures deuten für heute auf eine Fortsetzung dieser Aufwärtsbewegung hin. An den Rentenmärkten gab es gestern eine kräftige Gegenbewegung zu den ausgeprägten Renditeanstiegen der beiden Vortage. Die Rohstoffpreise gingen deutlich zurück, insbesondere die Rohölpreise sind mittlerweile auf Niveaus gefallen, wie sie zuletzt vor dem Einmarsch Russlands in der Ukraine vorherrschten. Auch die Gas- und Strompreise in Europa verzeichneten gestern weitere Rückgänge. Mit der aktuellen Entspannung an den Rohstoffmärkten ebben auch die Befürchtungen bezüglich höherer „Margin Calls“ für die im Energiemarkt handelnden Firmen ab. Dies wiederum war wohl verantwortlich für eine Einengung der sich zuletzt stark ausweitenden Swap-Spreads. Am Devisenmarkt fiel das Britische Pfund gegenüber dem US Dollar exakt auf die Grenze zu einem neuen 37-Jahres-Tief, von wo aus der Greenback dann allerdings einen kleinen Schwächeanfall erlitt. Erstmals seit einigen Tagen markierten weder EUR noch JPY oder GBP über Nacht neue Mehrjahres-Tiefstände gegenüber der amerikanischen Währung.

Die ungewöhnlich hohe Unsicherheit unter den Anlegern über die heutige Zinsanhebung der EZB garantiert eine ausgeprägte Kursreaktion, sobald die Entscheidung um 14:15 Uhr verkündet wird. In der Pressekonferenz mit Notenbankpräsidentin Christine Lagarde ab 14:45 Uhr dürften aber noch etliche andere Themen als nur der Zinsschritt diskutiert werden. Anleger werden versuchen, aus jeglichen Einlassungen Lagardes Hinweise auf das Tempo weiterer möglicher Zinsanhebungen und auf den wahrscheinlichen Gipfel des Zinsanhebungszyklus herauszulesen. So wird die EZB heute, wie alle drei Monate, neue Projektion für den Konjunktur- und Inflationsausblick vorlegen. Viele Volkswirte, wie auch wir, erwarten mittlerweile für die kommenden Quartale nur noch sehr geringe Wachstumsraten und teilweise sogar rezessionäre Tendenzen in der Eurozone. Auch technische Fragen im Zusammenhang mit der Rückkehr zu positiven Leitzinsen könnten während der Q&A-Session diskutiert werden. Beispielsweise steht die Frage im Raum, wie die mehr als zwei Billionen Euro, die im Rahmen der TLTRO-Geschäfte an das Finanzsystem ausgeliehen wurden, künftig verzinst werden sollen. Möglicherweise wird Lagarde auch zu den Aussichten für ein Quantitative Tightening, also den aktiven Verkauf von Anleihen aus den Beständen der Zentralbank, gefragt. All diese Themen dürften neben der reinen Entscheidung über die Größe des Zinsschrittes Einfluss auf das Handelsgeschehen während und nach der Pressekonferenz nehmen.

Darüber hinaus dürfte die Marktreaktion von Einlassungen des amerikanischen Notenbankchefs Jerome Powell beeinflusst werden. Als Folge einer sehr unglücklichen Terminierung ist ausgerechnet für 15:10 Uhr, also mitten in der Pressekonferenz der EZB, ein Diskussionsbeitrag Powells auf einer geldpolitischen Konferenz in Washington anberaumt. Es wird die letzte Gelegenheit für Powell sein, die Anleger auf den Zinsentscheid der Fed in zwei Wochen einzustimmen.

Immerhin, jenseits von Lagarde und Powell ist der Ereigniskalender heute nahezu leer. Die Datenveröffentlichungen beschränken sich auf die wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosengeld in den USA. Diese waren in den vergangenen drei Wochen überraschenderweise rückläufig. Ein weiterer Rückgang könnte das Marktgeschehen also auch beeinflussen, die Wirkung der beiden Notenbankchefs dürfte jedoch in jedem Fall größer sein…

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