Nur ein Thema: US-Inflationsrate


Die Spannung unter den Anlegern vor den heutigen Inflationszahlen ist fast schon so groß wie vergangene Woche vor der EZB-Entscheidung. Was anders ist: Unter die Spannung mischt sich auch reichlich Vorfreude. In Erwartung eines „erfreulichen“ Inflationsberichts haben die Aktienmärkte gestern deutlich fester geschlossen. Weitgehend Einigkeit herrscht jedoch dahingehend, dass selbst freundliche Inflationszahlen die Fed wohl nicht davon abhalten werden, nächste Woche eine weitere Leitzinsanhebung um 75 Bp zu beschließen. Der Rentenmarkt in den USA verzeichnet daher im Gegensatz zu den Aktien noch keine Kursgewinne, sondern tendiert eher seitwärts.

Vor sechzehn Monaten, Mitte Mai 2021, stand in den USA plötzlich das Inflationsgespenst vor der Tür. Soeben waren die Verbraucherpreisdaten für den Monat April veröffentlicht worden, und diese verzeichneten einen Anstieg in der Teuerungsrate von 2,6% auf 4,2%. Die Analystenerwartungen wurden damit um mehr als einen halben Prozentpunkt übertroffen. Grundannahme war seinerzeit jedoch noch, es handele sich um eine von Sonderfaktoren getriebene, vorübergehende („transitory“) Entwicklung. Mit den Mai-Zahlen wurde dann aber die 5%-Marke gerissen, im Oktober die 6%-Schwelle. Im Dezember sahen wir erstmals die 7%, im März dieses Jahres die 8% und im Juni den mutmaßlichen Höhepunkt bei 9,1%.

Seit Mitte Juni gehen in den USA aber die Benzinpreise zurück. In der Spitze lagen diese im landesweiten Durchschnitt knapp oberhalb von 5 USD/Gallone, zuletzt mussten nur noch rund 3,70 USD/Gallone bezahlt werden. Es war hauptsächlich diese Entwicklung, welche den gesamten Preisauftrieb zuletzt dämpfte, so dass der Verbraucherpreisindex in den USA im Juli im Vergleich zum Juni keinen Anstieg mehr verzeichnete. Ähnliches wird für die August-Zahlen erwartet, die heute Mittag um 14:30 Uhr unserer Zeit veröffentlicht werden. Das Gros der Analysten erwartet entweder erneut einen unveränderten Inflationsindex oder sogar einen kleinen Rückgang um 0,1% oder um 0,2%. Die Jahresteuerungsrate würde damit auf etwa 8,0% absacken, nachdem sie bereits im Juli von 9,1% auf 8,5% gefallen war.

Der überwiegend Benzinpreis-getriebene Inflationsrückgang verdeckt aber den Preisdruck, der weiterhin von einer Reihe von Gütern, Dienstleistungen und vor allem von den Mieten und Mietäquivalenten ausgeht. Diesen erkennen wir beim Blick auf die Kernrate der Inflationsentwicklung, die sich seit Jahresbeginn hartnäckig bei 6% gehalten hat. Auch für die August-Zahlen wird hier ein monatlicher Anstieg von 0,3-0,4% erwartet, der die Jahresrate im Bereich von 6% halten würde. Und in dieser Kernrate steckt möglicherweise auch das größte Risiko für eine erfreuliche oder unerfreuliche Überraschung im heutigen Datenpaket. Steigt die Kernrate im Vergleich zum Juli um mehr als 0,4%, wäre die Enttäuschung im Markt vermutlich ziemlich groß. Gut möglich, dass die Aktienmärkte ihre insbesondere gestern eingefahrenen Gewinne von rund 1-2% wieder abgeben müssten. Eine Leitzinsanhebung um 75 Bp durch die Fed in der kommenden Woche schiene mit einem solchen Preissprung in Stein gemeißelt. Sehen wir jedoch eine positive Überraschung und die Kerninflation steigt um weniger als 0,3%, könnte dies den einen oder anderen Marktteilnehmer dazu bewegen, seine Fed-Erwartungen zu überdenken. Ein geringer Preisauftrieb im August würde dann im Kontext der gestern veröffentlichten Daten zu den Inflationserwartungen der Verbraucher durch die Fed New York betrachtet werden. Ausweislich dieser Umfrage gingen die Inflationsängste unter den Konsumenten zuletzt nämlich deutlich zurück, und das sowohl auf einem Zeithorizont von einem Jahr wie auch auf einem Horizont von drei oder fünf Jahren.

Mit dieser Betrachtung scheint klar, was den Märkten heute den stärksten Stimmungs-Booster versetzen würde: Eine Jahresteuerungsrate im Rahmen der Erwartungen (d.h. zwischen -0,2% und 0,0% ggü. Vm.) und eine Kernrate von höchstens 0,2% ggü. Vm. Ein solches Datenpaket würde Aktien- und Rentenmärkten gleichermaßen starken Rückenwind verleihen und den EUR-USD-Wechselkurs wohl deutlich über die 1,02-Marke hieven. Der organisationsbedingte Ausfall der Impressionen am morgigen Mittwoch würde dann gar nicht auffallen…

Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss.

Diese Informationen stellen keine Anlageberatung, sondern eine Werbung dar. Das öffentliche Angebot erfolgt ausschließlich auf Grundlage eines Wertpapierprospekts, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ("BaFin") gebilligt wurde. Die Billigung des Prospekts ist nicht als Empfehlung zu verstehen, diese Wertpapiere der UniCredit Bank AG zu erwerben. Allein maßgeblich sind der Prospekt einschließlich etwaiger Nachträge und die Endgültigen Bedingungen. Es wird empfohlen, diese Dokumente vor jeder Anlageentscheidung aufmerksam zu lesen, um die potenziellen Risiken und Chancen bei der Entscheidung für eine Anlage vollends zu verstehen. Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.

Funktionsweisen der HVB Produkte

Der Beitrag Nur ein Thema: US-Inflationsrate erschien zuerst auf onemarkets Blog (HypoVereinsbank - UniCredit Bank AG).

News

06.12.2022Tagesausblick für 07.12.: DAX pendelt weiter seitwärts. Autoaktien im Blickpunkt!
06.12.2022Puma – DAX-Rauswurf besiegelt! Was macht die Aktie?
05.12.2022Commerzbank – Trotz Umbau Dividende im Fokus
05.12.2022Blickpunkt Zins: Im Schatten des Sparschweins
30.11.2022Philips – Erschreckend schwach! Folgt nun eine Erholung?
30.11.2022Hannover Rück. und Münchener Rück profitieren von steigenden Zinsen und höheren Prämien!
29.11.2022Tagesausblick für 30.11: DA wartet auf neue Impulse!
29.11.2022Continental – Das Profil stimmt
29.11.2022Encavis – Solar- und Windparkbetreiber im Aufwind!
28.11.2022Tagesausblick für 29.11.: DAX mit leichten Verlusten. Ölpreis weiter unter Druck!
28.11.2022Amazon – Ist der Cyber Monday wirklich so wichtig?
28.11.2022Stockers Börsencheck: Neue Prognosen – Steigende Aktienmärkte 2023?
27.11.2022Volkswagen: Der E-Absatz kommt ins Rollen
27.11.2022ESG – Der Schlüssel zu nachhaltigem Investieren
25.11.2022Wochenausblick: DAX erneut mit Wochenplus. Die Luft wird jedoch dünn!
25.11.2022Newmont – Goldminenaktie bastelt an einem Boden
24.11.2022Tagesausblick für 25.11.: DAX hangelt sich weiter nach oben. Immobilienaktien gefragt!
24.11.2022Porsche – Was für eine Fahrt!
24.11.2022Vonovia – Entspannung am Anleihemarkt treibt Immoaktien!
24.11.2022Optimismus prägt das Marktbild
23.11.2022Tagesausblick für 24.11.: DAX schließt kaum verändert. Öl und Wasserstoffaktien im Blickpunkt!
23.11.2022Teamviewer – Gelingt die Trendwende?
23.11.2022HeidelbergCement – Doppelwiderstand erreicht
23.11.2022PMIs als potenzieller Störfaktor
22.11.2022Tagesausblick für 23.11.: DAX – Bullen bleiben am Drücker!
22.11.2022Nokia – Wann endet die Seitwärtsphase?
22.11.2022Anti Virus Health Index – Zulassung für neue Medikamente beflügeln!
22.11.2022Eingeloggte Kurveninversion
21.11.2022Tagesausblick für 22.11. DAX pausiert. Ölpreis bricht ein!
21.11.2022SMA Solar – Starker Gewinnanstieg im dritten Quartal
21.11.2022Blockchain-Index – FTX-Pleite verunsichert!
21.11.2022Prononcierte Zinskurveninversion
18.11.2022Wochenausblick: DAX steckt in der Range fest. Ifo und Notenbankprotokolle im Blickpunkt!
18.11.2022Cisco – Ist das der Befreiungsschlag?
18.11.2022Der Widerstand der Rentenmärkte
17.11.2022Siemens – Starke Zahlen, starke Kursentwicklung!
17.11.2022Fifty-fifty
17.11.2022Siemens – Bestnote
16.11.2022Tagesausblick für 17.11.: Gewinnmitnahmen beim DAX. Autoaktien im Fokus!
16.11.2022LVMH – Diese Aktie ist unkaputtbar




































Inhalte: Home + Impressum
© 2002 - 2022 - "ZERVUS" - Kozubek & Schaffelner OG - Alle Rechte vorbehalten - Alle Angaben ohne Gewähr