„Angespannte“ Lage


Als „angespannt“ bezeichnet die deutsche Bundesnetzagentur die aktuelle Lage bei der Gasversorgung. „Angespannt“ – das trifft eigentlich auf alle Themen zu, die wir in den Finanzmärkten derzeit diskutieren. Inflationsausblick? Angespannt. Heute stellt die IG Metall ihre Lohnforderungen für die rund 3,8Millionen Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie vor, während die Regierung in den USA ein Entlastungspaket vorbereitet. Wachstumsausblick? Angespannt. Gegen Ende der Woche werden die PMIs und der Ifo veröffentlicht. Zentralbankausblick? Angespannt. Im Laufe der Woche wird der Fed-Vorsitzende Jerome Powell zu seinen turnusmäßigen halbjährlichen Anhörungen vor zwei Kongressausschüssen erscheinen. Vor dem Hintergrund dieser Agenda bleibt auch die Lage an den Börsen angespannt, vor allem, nachdem zuletzt auch noch die Energiewerte starke Kursrückgänge verbucht haben.

Die gedrosselten Gaslieferungen aus Russland nach Europa waren am Wochenende des Top-Thema politischer Diskussionen. Deutschland erhielt zuletzt nur noch 40% der vereinbarten Menge, Italien nur noch die Hälfte. Die Gasspeicher in Deutschland und Europa waren zuletzt zu 57% bzw. 53% gefüllt, was nur leicht unter den Durchschnittswerten der vergangenen fünf Jahre lag. Aber bereits am Freitag knickte diese Kurve für die EU ab. Die Bundesnetzagentur bezeichnete in ihrem fast täglich erstellten Bericht zur Versorgungslage erstmals fest, die Lage sei „angespannt“. Die Bundesregierung plant ein Maßnahmenbündel, welches die Verstromung von Gas reduzieren und Anreize für die Industrie zum Gassparen setzen soll. Eine vollständige Einstellung de Gaslieferungen aus Russland beschreibt bereits seit dem Frühjahr das wohl prononcierteste Risikoszenario für den Konjunkturausblick in der Eurozone. Jener Ausblick dürfte in dieser Woche durch eine Reihe von Veröffentlichungen geschärft werden: Heute gibt die Bundesbank ihren Monatsbericht heraus, am Donnerstag erhalten wie die PMIs und am Freitag den Ifo Geschäftsklimaindex.

Der Benchmark-Kontrakt für Gas in Europa war in der vergangenen Woche zwischenzeitlich um mehr als 75% bis auf fast 150 EUR/MWh in die Höhe geschnellt. Aktuell notiert der Kontrakt bei 122 EUR/MWh. Ende Juni 2019 notierte Gas zeitweilig bei weniger als 10 EUR/MWh. Mit abnehmenden Gaslieferungen steigt kurzfristig die Gefahr zunehmenden Inflationsdrucks. Die Produzentenpreise in Deutschland stiegen im Mai, wie heute früh berichtet wurde, mit 33,6% ggü. Vj. so stark wie noch nie. Erneut werden in dieser Woche wieder zahlreiche Vertreter von Fed und EZB ihre Politik erläutern. Höhepunkt sind dabei mutmaßlich zwei Auftritte von EZB-Präsidentin Christine Lagarde (heute um 15 Uhr und um 17 Uhr) sowie die Anhörungen Powells vor zwei Kongressausschüssen am Mittwoch und Donnerstag. In dem vorab veröffentlichten Bericht der Fed an den Kongress heißt es, die Verpflichtung der Notenbank, Preisstabilität wieder herzustellen, sei „bedingungslos“. Damit kommt einmal mehr zum Ausdruck, wie stark der Fokus der Fed auf die Preisrisiken ist, auch auf Kosten der Konjunktur.

Verbraucherpreisdaten bekommen wir dieser Tage aus UK und aus Japan – beide Veröffentlichungen könnten nennenswerten Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen. In UK gehen die Meinungen über das Ausmaß weiterer Leitzinsanhebungen durch die Bank of England weit auseinander, und in Japan haben die Anleger damit begonnen, ernsthaft mit einer geldpolitischen Straffung durch die Bank of Japan zu rechnen. Noch schwächelt der JPY, im Wettstreit der beiden Safe-Haven-Währung ist der CHF gegenüber dem JPY auf ein 40-Jahres-Hoch geklettert.

An den Börsen wird es in den USA heute wegen eines Feiertages keinen Kassahandel geben. Die Aktienfutures tendieren sowohl in den USA wie auch in Europa fester. Zuletzt hatte der Energiesektor mächtig Federn gelassen, die entsprechenden Sektorindizes gaben innerhalb weniger Tage um 10-20% nach, nachdem sie sich in den Monaten zuvor erfolgreich gegen den allgemeinen Abwärtstrend gestemmt hatten. Auch der Bloomberg Commodity Index knickte zuletzt ein. Sollten all dies Anzeichen dafür sein, dass die Anleger auf eine merkliche konjunkturelle Abschwächung setzen, die Notenbanken aber weiterhin die Inflationsrisiken bekämpfen, könnten uns Zeiten ins Haus stehen, für die die Beschreibung „angespannt“ wohl noch sehr wohlwollend formuliert wäre…

Die Impressionen legen nun eine Pause von zwei Wochen ein, wir melden uns Anfang Juli zurück.

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