Sondersitzung der EZB, Zinsanhebung der Fed


„Ad-hoc Meeting“. Wenn diese Aufforderung in den Terminkalender rutscht, handelt es sich in der Regel um ein sehr dringendes Thema. Die Europäische Zentralbank wird heute eine solche Sondersitzung abhalten, ausweislich eines Sprechers der Zentralbank „um die aktuellen Marktbedingungen“ zu diskutieren. Seit der regulären Ratssitzung der EZB am Donnerstag vergangener Woche sind die Renditen stark gestiegen und die Aktienkurse deutlich gefallen. Am Abend folgt dann die mit großer Spannung erwartete Leitzinsentscheidung der Federal Reserve. Die Märkte sind mittlerweile darauf eingestellt, dass die amerikanische Notenbank den Leitzins nicht nur um 50 Basispunkte, sondern gleich um 75 Basispunkte anheben wird.

Gestern Vormittag sah es noch so aus, als würde es an den Finanzmärkten eine Gegenbewegung zu den starken Renditeanstiegen und den kräftigen Verlusten an den Aktienmärkten der vorherigen Tage geben. Im weiteren Tagesverlauf gewann diese Trends jedoch wieder die Oberhand. Die amerikanischen Treasury-Renditen schlossen auf neuen Höchstständen nahe 3,50%, und die 10J Bundrendite kletterte um weitere 13 Bp auf 1,76%. Die Aktienmärkte gaben ihre anfänglichen Gewinne ab und schlossen in der Eurozone etwa ein Prozent tiefer, in den USA mit einer gemischten Tagesperformance. Heute früh nehmen die Märkte einen weiteren Anlauf zu einer Gegenbewegung, die Tagesagenda lässt für den weiteren Handelsverlauf große Kursausschläge in allen Marktsegmenten erwarten.

Seit der EZB-Sitzung am Donnerstag vergangener Woche und der Veröffentlichung der Verbraucherpreisdaten in den USA am folgenden Tag herrschten an den Finanzmärkten vier Trends vor: 1. Die Nominalrenditen stiegen kräftig an, in den USA um 50‑60 Bp und in Deutschland um 40‑50 Bp. 2. Die Realrenditen, also die Renditen für inflationsgelinkte Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit, stiegen in den USA um rund 50 Bp, in Deutschland sogar um etwa 60 Bp. 3. Die Renditedifferenzen zwischen den Staatsanleihen der Mitgliedsländer der Währungsunion weiteten sich spürbar aus, zwischen Frankreich und Deutschland bei 10-jährigen Laufzeiten beispielsweise um mehr als 10 Bp, zwischen Italien und Deutschland sogar um rund 40 Bp. 4. Die Aktienmärkte verbuchten starke Verluste, der S&P 500 gab seit Donnerstagmittag um etwa 9% nach, der STOXX Europe 600 um rund 7%.

All diesen Entwicklungen gemeinsam ist, dass sie die Finanzierungsbedingungen in den jeweiligen Jurisdiktionen verschärften. Zwar ist es das Ziel der Zentralbanken, mit ihren geplanten geldpolitischen Maßnahmen eine Straffung der Finanzierungsbedingungen herbeizuführen. Das Ausmaß der Straffung während der vergangenen Tage dürfte dem einen oder anderen Notenbankvertreter jedoch zu dynamisch verlaufen sein. In der Eurozone blickt die Europäische Zentralbank insbesondere auf die ungleiche Entwicklung in den Märkten der einzelnen Mitgliedsländer. Sie spricht in diesem Zusammenhang von der Gefahr einer „Fragmentierung“ der Finanzmärkte. In einem Vortrag vor Studenten in Frankreich definierte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel diesen Begriff gestern Abend wie folgt: „Fragmentierung spiegelt einen plötzlichen Bruch in der Beziehung zwischen den Renditen von Staatsanleihen und den Fundamentaldaten wider, was zu einer nichtlinearen und destabilisierenden Dynamik führt.“ Möglicherweise erfüllten die Renditebewegungen der vergangenen Tage in den Augen der EZB das so definierte Kriterium einer Fragmentierung. Für heute 11 Uhr wurde kurzfristig eine außerplanmäßige Sondersitzung des EZB-Rates einberufen. Im Anschluss an die Beratungen dürfte die Notenbank Maßnahmen präsentieren, mit denen sie einer weiteren Fragmentierung der europäischen Märkte entgegenwirken will.

Am Abend ab 20 Uhr rückt dann die Federal Reserve ins Zentrum des Interesses. Die Märkte erwarten mittlerweile eine Zinsanhebung um 75 Bp auf 1,75%, verbunden mit der Aussicht, dass noch weitere derartige „Jumbo-Schritte“ folgen könnten. Sollte die Fed diesen Markterwartungen entsprechen, wären weitere starke Renditeanstiege wahrscheinlich. Hält die Fed jedoch an ihrem ursprünglichen Plan fest und hebt den Leitzins um lediglich 50 Bp an, dürften wir an den Rentenmärkten eine kräftige Gegenbewegung und deutlich fallende Renditen sehen. Da die Marktbewegungen in beiden Szenarien vermutlich recht ausgeprägt sein werden, dürfte der eine oder andere Marktteilnehmer morgen früh (trotz des Feiertages in Teilen Deutschlands) eine Einladung zu einem „Ad-hoc Meeting“ in seinem Postfach vorfinden…

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