Marktberuhigung zum Start der FOMC-Sitzung


Als gestern sowohl die Aktien- als auch die Anleihemärkte im Parallelschwung starke Kursverluste verbuchten, fühlten sich einige Marktteilnehmer bereits an die Zeit der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 erinnert. Eigentlich versuchen die Marktteilnehmer aber lediglich abzuschätzen, welches die angemessene Reaktion der Zentralbanken auf den anhaltend hohen Inflationsdruck sein könnte. Heute beginnt nun das zweitägige Treffen des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank. Morgen Abend nach der Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden sollten wir besser abschätzen können, welche Eintrittswahrscheinlichkeit die jüngsten Markterwartungen zur Leitzinspolitik der amerikanischen Zentralbank besitzen.

Bis Donnerstagmittag vergangener Woche ließen sich die Markterwartungen zur Geldpolitik der Fed und der EZB folgendermaßen zusammenfassen: Die Fed dürfte – wie Anfang Mai angekündigt – einige weitere Zinsanhebungen um jeweils 50 Bp vornehmen, bevor sie das Leitzinsniveau in kleineren Schritten noch vor Jahresende leicht in restriktives Terrain führen würde. Von der EZB wiederum wurde eine Serie von 25-Bp-Zinsanhebungen erwartet, welche den Einlagesatz bis etwa Mitte nächsten Jahres auf ein mutmaßlich neutrales Niveau von etwa 1½% bringen würde. „Mutmaßlich“ deshalb, weil die Diskussion über das „neutrale“ Zinsniveau in der Eurozone nach wie vor recht kontrovers geführt wird.

Am Donnerstag dann setzte die EZB ein Ausrufezeichen, indem sie für ihre Sitzung im September die Möglichkeit einer Anhebung um 50 Bp statt um nur um 25 Bp in Aussicht stellte. Über fünfzig Zentralbanken weltweit haben in diesem Jahr bereits Zinsanhebungen um 50 Bp angekündigt. Von der EZB hatte man einen solchen Schritt eher nicht erwartet, weil die Notenbank immer wieder betont hatte, die zinspolitische Normalisierung „graduell“ umzusetzen. Mit einem Mal erscheinen nun aber auch seitens der EZB 50-Bp-Schritte im Bereich des Möglichen zu liegen. Die EZB selbst hat mit ihren geldpolitischen Beschlüssen also erheblich dazu beigetragen, dass die Marktteilnehmer die Möglichkeit eines deutlich steileren Zinsanhebungspfads in Betracht ziehen.

Am Freitag folgte mit dem amerikanischen Inflationsreport ein weiterer Anlass für die Anleger, auf eine noch straffere geldpolitische Gangart der Fed zu setzen. Die Verbraucherpreisdaten unterbrachen die Entwicklung der vorangegangenen zwei Monate, aus denen die Analysten vorsichtige Signale eines abnehmenden Preisdrucks abgeleitet hatten. Der Bericht am Freitag jedoch wies in nahezu allen seinen Facetten wieder zunehmenden Preisdruck auf, womit der Effekt der vorangegangenen beiden Inflationsberichte gewissermaßen ausradiert wurde.

Die Folge der EZB-Ansage und der US-Preisdaten: Die Anleger preisten für beide Notenbanken einen noch steileren Zinsanhebungspfad und ein deutlich höheres maximales Leitzinsniveau ein. Am Ende des gestrigen Tages waren seitens der EZB Zinsanhebungen von insgesamt mehr als 175 Bp in diesem Jahr und ein maximales Leitzinsniveau von rund 2½% eingepreist. Bezüglich der Fed gewann die Diskussion über die Möglichkeit von 75-Bp-Schritten an Dynamik, allein für dieses Jahr wurden Anhebungen im Umfang von mehr als 275 Bp eingepreist. Die Erwartungen für das maximale Leitzinsniveau kratzten an der 4%-Marke. Im Zuge dessen stieg die 2J UST-Rendite bis auf 3,42% und damit das höchste Niveau seit 2008, die 2/10J Zinskurve war zeitweilig invertiert. Hierzulande kletterte die 2J Bundrendite erstmals seit 2011 wieder über die Marke von 1,00%, und die reale 10J-Rendite kletterte innerhalb von nur zwei Tagen um nicht weniger als 30 Bp.

Heute früh beruhigt sich das Marktbild, die UST-Renditen kommen um bis zu 10 Bp zurück, und auch der Bundmarkt notiert etwas fester. Am Nachmittag bekommen wir aus den USA die Daten zu den Produzentenpreisen, in der kommenden Nacht wichtige Aktivitätskennzahlen aus China (Einzelhandel, Industrieproduktion) – aber entscheidend wird letztlich sein, wie die Fed die Möglichkeit von 75-Bp-Anhebungen einordnet. Anfang Mai sagte Notenbankchef Jerome Powell, eine solche Option liege nicht auf dem Tisch. Eine Wiederholung dieser Äußerung würde höchstwahrscheinlich eine Fortsetzung der sich heute abzeichnenden Korrekturbewegung an den Rentenmärkten ermöglichen…

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