Am 8. September wird der Negativzins Geschichte sein


Das gestrige EZB-Treffen brachte für die Anleger eine Erkenntnis, welche die Anleger in dieser Form nicht erwartet hatten. Die Leitzinsen werden im Juli um 25 Bp und im September wahrscheinlich sogar um 50 Bp angehoben. Insgesamt hinterließ die Pressekonferenz zum wiederholten Male in diesem Jahr einen „hawkishen“ Eindruck. Die Zinsanhebungserwartungen im Markt stiegen weiter an, und die Staatsanleiherenditen kletterten auf neue Hochs, allerdings gab der Euro im Tagesverlauf deutlich nach. Heute steht die Veröffentlichung der amerikanischen Verbraucherpreisdaten im Fokus – ganz besonders auch deshalb, weil die Federal Reserve in der kommenden Woche ihre geldpolitischen Beschlüsse verkünden wird.

Mit sieben offenen Fragen waren wir gestern in die Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank gegangen – und auf fünf Fragen erhielten wir auch eine Antwort. Zur ersten Frage nach dem Ausmaß der kommenden Zinsanhebungsschritte erhielten wir die überraschendste Antwort: Die EZB wird im September den Leitzins um mehr als nur 25 Bp anheben, sollten ihre Inflationsprojektionen in drei Monaten im Vergleich zu den gestern vorgestellten Erwartungen keinen freundlicheren Ausblick zeigen. Da äußerst fraglich ist, aufgrund welcher Faktoren sich der mittelfristige Inflationsausblick in den kommenden drei Monaten aufhellen sollte, gilt im Markt die Erwartung einer 50 Bp-Zinsanhebung am 8. September nun als Konsens. Die explizit formulierte Bedingung für einen größeren Zinsanhebungsschritt beantwortete gleichzeitig auch unsere Frage Nummer vier nach einer Forward Guidance. Die zweite Frage nach der Frequenz weiterer Zinsanhebungen wurde von der EZB etwas kryptisch beantwortet. Nach September visiere die Notenbank an, „die Leitzinsen schrittweise, aber nachhaltig weiter anzuheben“. Im Markt wird dies so interpretiert, als würde es dann bei jeder Ratssitzung, die etwa alle sechs Wochen stattfindet, weitere Zinsanhebungen geben. Die dritte Frage nach einer Zielmarke für den Zinsanhebungszyklus blieb inhaltlich unbeantwortet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde wurde konkret nach dem „neutralen Leitzinsniveau“ gefragt, antwortete aber ausweichend. Eine entsprechende Diskussion innerhalb des Geldpolitischen Rats in dieser Frage stünde noch aus.

Frage fünf zielte auf die neuen BIP- und Inflationsprognosen. Die Wachstumserwartungen wurden für 2022 und 2023 deutlich reduziert, bewegen sich aber immer noch oberhalb der Schätzungen, die im Verlauf dieser Woche von der Weltbank und der OECD veröffentlicht wurden. Die Inflationsprojektionen wurden hingegen deutlich angehoben. Mittelfristig, das heißt im Jahr 2024, erwartet die EZB eine Gesamtinflationsrate von 2,1% und eine Kernrate von sogar 2,3%, womit die Notenbank ihr Inflationsziel auch im übernächsten Jahr noch verfehlen würde. Die sechste Frage zum Gerüst der TLTRO-Operationen wurde dahingehend beantwortet, dass es keine Änderungen an den bisherigen Plänen geben würde. Siebtens fragten wir nach Details zu einem Instrument, welches zur Verhinderung einer Fragmentierung der Zinsmärkte innerhalb der Währungsunion eingesetzt werden könnte. Diese Frage blieb in der Sache unbeantwortet. Lagarde verwies aber mehrfach darauf, dass die EZB willens und in der Lage sei, bei Bedarf ein entsprechendes Instrument zu präsentieren.

In der Summe bestätigt sich der Eindruck, die Falken hätten im Geldpolitischen Rat der EZB die Meinungsführerschaft übernommen. Dennoch, die gestrigen Beschlüsse wurden einstimmig gefasst, was unterstreicht, wie stark der Drang aller 21 votierenden Ratsmitglieder ist, angesichts der hohen Inflationsraten eine zügige geldpolitische Normalisierung auf den Weg zu bringen. An den Märkten werden nunmehr Zinsanhebungen im Ausmaß von rund 250 Bp bis Ende nächsten Jahres eingepreist. Die 10J Bundrendite nähert sich der Marke von 1,50%, die Zinskurve flacht sich über noch stärkere Renditeanstiege in kürzeren Laufzeiten ab. Die Abstände zwischen den nationalen Staatsanleiherenditen und Bundesanleihen weiteten sich aus, was neben Gewinnmitnahmen einer der Faktoren für den Rückgang in EUR-USD von 1,0770 auf 1,0620 im Laufe des Nachmittags gewesen sein dürfte. Die Aktienmärkte reagierten verschnupft und verbuchten sowohl in Europa wie auch in den USA recht kräftige Verluste.

Heute blicken alle auf die Inflationszahlen in den USA. Im Mai dürfte die Jahresrate unverändert bei 8,3% verharren, in der Kerninflation könnte es eine Abschwächung von 6,2% auf 5,9% geben. Das wäre wohl zu wenig, um als „klares und überzeugendes“ Indiz für eine Abschwächung des Preisdrucks interpretiert zu werden, wie es die Fed einfordert. Die US Notenbank wird nächsten Mittwoch ihre geldpolitischen Beschlüsse bekanntgeben – an einer zweiten Zinsanhebung um 50 Bp gibt es im Markt überhaupt keine Zweifel mehr…

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