Die Furcht ist zurück


Schwacher Start in den September


In der Börsenstatistik ist der September der schwächste Monat. Begründen lässt sich dies mit dem Verhalten der institutionellen Anleger. Nach den Sommerferien rückt der Bilanzstichtag näher. Liegen die Portfolios im Plus, denken sie an Gewinnsicherung, ist der Markt im Minus, müssen sie mit dem verbliebenen Verlustpuffer umso vorsichtiger haushalten. Entsprechend werden Risiken höher gewichtet als im ersten Halbjahr. Nach zwei Jahren ohne September-Minus scheint 2026 wieder an dieses Muster anzuknüpfen. Stress bereitet den Anlegern diesmal der Renditeanstieg am Rentenmarkt. Zum Monatsbeginn ging der Ausverkauf bei Verzinslichen weiter: Unmittelbarer Auslöser waren neue Angriffe auf Öltanker in der Straße von Hormus, mit entsprechender Wirkung auf die Rohölpreise. Der tiefere Grund war aber das Scheitern aller Versuche von Finanzminister Scott Bessent, die Märkte durch Interventionen zu beruhigen. Zehnjährige US-Schatztitel erreichten heute früh mit 4,81 % die höchste Rendite seit 2023, die 30-jährigen markierten sogar ein 20-Jahres-Hoch. Dasselbe gilt für Staatsanleihen Großbritanniens und erst recht Japans. Die Renditen der größten Schuldner aus dem Euroraum, Frankreich und Italien, haben sich inzwischen über der 4%-Marke festgesetzt. Vor diesem Hintergrund gerieten die Aktienmärkte unter Druck: Der DAX verlor 1,1 % und fiel wieder unter die 26.000-Punkte-Marke, der S&P 500 gab 0,7 % nach.

Furcht vor Stagflationsszenario


Steigende Zinsen belasten zudem die boomende KI-Industrie, denn die Erbauer der riesigen Rechenzentren müssen mit den Staaten um das knapper werdende Kapital konkurrieren. Entsprechend waren die Chipwerte Nvidia und AMD an der Wall Street unter Druck geraten. Nachbörslich holte Dell seine Verluste wieder auf. Der Computerbauer hatte mit dem Quartalsbericht seine Ziele erneut angehoben. In Asien setzten sich heute die Verluste fort, wobei weiter steigende Ölpreise nach neuen Luftangriffen der USA auf den Iran den Druck erhöhten. Japans Nikkei-Index lag kurz vor Schluss 2,9 % im Minus. Insgesamt fürchten die Märkte eine Gemengelage aus schwächerer Konjunktur und hartnäckiger Inflation. Der gestern veröffentlichte ISM-Index der US-Einkaufsmanager war um 1,0 auf 54,6 Punkte gefallen, während im Euroraum die Inflationsrate auf 3,3 % angezogen hat. Eine internationale Koordination der Wirtschaftspolitik ist nicht in Sicht: Auf dem Treffen der G20-Finanzminister gelang es nicht, China in die Abschlusserklärung einzubinden, in der man sich auf einen Abbau der Ungleichgewichte verständigte. Wohlfühlen kann sich höchstens Russland, dessen Vertreter erstmals seit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine wieder eingeladen wurde. Europas Außen- und Wirtschaftsminister werden heute über eine engere Abstimmung der Energiepolitik sowie weitere Schritte gegen die zunehmend aggressive Politik Russlands beraten.

Fed legt ihren Konjunkturbericht vor

Der heutige Börsentag dürfte eher im Zeichen des Abwartens stehen. Am Nachmittag gibt der monatliche Report des privaten Personaldienstleisters ADP eine Indikation für den US-Arbeitsmarktbericht, der am Freitag ansteht. Am Abend veröffentlicht die US-Notenbank ihren "Beige Book" genannten Konjunkturbericht. Sollten sich die Schwächezeichen verdichten, könnte der neue Fed-Chef Kevin Warsh sein Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung, abgelegt auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole, relativieren. Wir erwarten in der Tat nur von der EZB, nicht aber von der Fed, im September eine Leitzinsanhebung.


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