Fed bleibt in der Warteschleife


US-Notenbank hält die Füße still


Die US-Notenbank hält den Leitzins zum fünften Mal in Folge unverändert. Das Zielband für den Tagesgeldsatz bleibt bei 3,50 % bis 3,75 %. Der Offenmarktausschuss war jedoch gespalten: Drei der zwölf Mitglieder plädierten für eine Anhebung um 25 Basispunkte. Trotz der jüngsten Eskalation im Nahen Osten verzichtete die Fed zunächst auf eine Straffung. Zugleich treten die Differenzen über den angemessenen geldpolitischen Kurs deutlicher hervor. Bereits im Juni hatten mehrere Notenbanker Argumente für höhere Zinsen gesehen; nun fiel ihr abweichendes Votum klarer aus. Die Mehrheit verweist dagegen auf die jüngsten Inflationsdaten, die bislang keine Zweitrundeneffekte des Energiepreisschocks erkennen lassen. Der zugrunde liegende Preistrend zeigte vielmehr desinflationäre Tendenzen. Entscheidend werden daher die beiden Inflationsberichte bis zur September-Sitzung sowie die weitere Entwicklung im Nahen Osten. Bleibt eine Entspannung aus, könnte die knappe Mehrheit für unveränderte Leitzinsen kippen.

Europas Gasmarkt bleibt angespannt


Europas Erdgasmarkt geht mit deutlich niedrigeren Speicherständen in die zweite Hälfte der Einspeichersaison. In Deutschland sind die Speicher derzeit nur zu rund 46 % gefüllt, europaweit liegt der Füllstand bei knapp 56 %. Damit bleibt der Abstand zu den saisonalen Durchschnittswerten erheblich: Deutschland liegt etwa 22 Prozentpunkte unter dem langjährigen Mittel, Europa rund 14 Punkte darunter. Zwar steigen die Vorräte seit Wochen, doch das Einspeichertempo reicht bislang nicht aus, um die Lücke rasch zu schließen. Seit Anfang Juli legte der deutsche Füllstand um knapp fünf Prozentpunkte zu, in der EU waren es etwa sieben Punkte. Belastend wirken vor allem ein höherer Gasverbrauch im Stromsektor sowie schwächere LNG-Zuflüsse, u.a. bedingt durch einen zunehmenden Wettbewerb mit asiatischen Käufern. Die angespannte Lage spiegelt sich auch am Terminmarkt wider. Der europäische TTF-Gaspreis stieg seit Ende Juni von rund 42 auf zeitweise mehr als 64 Euro je Megawattstunde. Zuletzt gab er zwar etwas nach, bleibt aber deutlich über dem Niveau zu Monatsbeginn. Eine akute Versorgungskrise besteht derzeit nicht. Dennoch wächst mit jedem schwachen Einspeichertag das Risiko steigender Preise im kommenden Winter.

Wachstumstest trifft Inflationssorgen

Am heutigen Tag richtet sich der Blick zunächst nach Deutschland. Um 10.00 Uhr wird die erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal veröffentlicht. Nach einem Wachstum von 0,3 % zu Jahresbeginn rechnen Ökonomen nun lediglich mit einer Stagnation. Ein schwächeres Ergebnis würde die Sorgen über die anhaltende Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft weiter verstärken. Um 14.00 Uhr folgen die vorläufigen Verbraucherpreise für Juli. Erwartet wird ein Anstieg der Inflationsrate von 2,3 % auf 2,6 %. Damit würde der Preisdruck wieder zunehmen. Die EZB dürfte daher nach unserer Einschätzung die Leitzinsen in diesem Jahr noch einmal anheben. Um 14.30 Uhr rücken die US-Daten in den Mittelpunkt. Für das annualisierte Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal wird laut Konsens-Schätzungen eine Beschleunigung von 2,1 % auf 2,3 % erwartet. Gleichzeitig dürfte der Kern-PCE-Preisindex von 3,4 % auf 3,3 % zurückgehen. Bei den persönlichen Einkommen wird mit einem Plus von 0,3 %, bei den Konsumausgaben mit einem Anstieg von 0,4 % gerechnet. Ein solides Wachstum bei nur langsam nachlassendem Preisdruck könnte die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der US-Notenbank dämpfen. Schwächere Daten würden dagegen neue Konjunktursorgen schüren und die Zinssenkungsfantasie beleben. Bereits um 13.00 Uhr dürfte die Bank of England ihren Leitzins unverändert bei 3,75 % belassen.


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