LBBW Morgeninfo: Fed wird Straffungskampagne fortsetzen


Starker US-Stellenaufbau verlangt höhere Zinsen


Der US-Arbeitsmarkt befindet sich weiterhin in einem robusten Zustand. Im November wurden mit 263.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft weit mehr Stellen geschaffen als erwartet wurde (200.000). Die ermittelte Arbeitslosenquote verharrte auf dem Vormonatswert von 3,7%. Der überraschend starke Stellenaufbau und die deutlich kräftiger als erwartet ausgefallenen Lohnerhöhungen - die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen im November um 0,6 % gegenüber dem Vormonat an und damit doppelt so stark wie allgemein erwartet - haben die Erwartungen der Anleger an eine Drosselung des Zinsanhebungstempos gedämpft. Die Folgen waren vor allem Kursrücksetzer an den US-Aktienmärkten. Die Fed will die hohe Inflation einfangen und mit höheren Zinsen zugleich den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen. Laut Fed-Chef Jerome Powell übersteigt die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot an verfügbarem Personal bei weitem. Um die gestörte Balance wieder herzustellen, wird die Fed mit Sicherheit Mitte des Monats mit einer weiteren Zinserhöhung nachlegen. Marktteilnehmer sehen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 91%, dass die Notenbank die Zinsen am 14.12 um 50 Basispunkte anheben wird.

Russland will Preisobergrenze nicht hinnehmen


Ab heute gelten EU-Sanktionen gegen die Öleinnahmen Russlands. Die G7, die EU und Australien haben sich auf eine Preisobergrenze für russische Ölexporte in Höhe von 60 USD pro Barrel geeinigt. Die EU setzt für den Preisdeckel den Hebel bei den Schiffstransporten und den dafür nötigen Dienstleistungen wie Versicherungen an. Verboten sind dem Prinzip nach Fuhren mit russischem Öl in Drittstaaten – es sei denn, der Preis für die Ladung liegt nicht höher als der Preisdeckel, denn dann können westliche Reedereien mit ihren Schiffen weiter russisches Öl nach Indien, China oder in andere Länder bringen. Die Hoffnung ist, dass die Preisobergrenze zu einer Entspannung an den Energiemärkten führt und Drittländer entlastet. Darüber hinaus soll Russland nicht mehr von Preisanstiegen für Öl profitieren und damit seine Kriegskasse füllen können. Inwiefern die Sanktionen wirken werden, ist fragwürdig. Derzeit liegt der Marktpreis für russisches Öl der Sorte Urals pro Barrel bei rund 64 USD und die Gegenreaktion Russlands ließ auch nicht lange auf sich warten. Russland macht nach Angaben eines diplomatischen Vertreters Ernst mit den angedrohten Lieferboykott von Öllieferungen nach Europa und in Länder, die sich an einem Preisdeckel beteiligen. Darüber hinaus soll sich Russland bereits in diesem Jahr eine Schattenflotte von mehr als 100 Öltankern zugelegt haben, um Sanktionen zu umgehen.

Deutsche Exporte schwächeln


Der deutsche Exportmotor stottert weiter. Angesichts der schwächeren Nachfrage aus Europa und den USA sind die deutschen Ausfuhren den zweiten Monat in Folge gesunken. Im Oktober schrumpften sie um 0,6% zum Vormonat auf 133,5 Mrd. EUR, wie Destatis am Freitag mitteilte. Während die Exporte in die Mitgliedstaaten der EU um 2,4% sanken, schrumpften das Geschäft mit dem wichtigsten Kunden USA sogar noch stärker – und zwar um 3,9%. Der DIHK äußerte sich zuletzt pessimistisch zu den Aussichten für Export-Europameister Deutschland und rechnet im nächsten Jahr mit einem Exportrückgang von 2%, wodurch die deutsche Exportwirtschaft 2023 über 70 Mrd. EUR weniger im Ausland erlösen würde. Trotz globaler Rezessionssorgen hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren im November allerdings merklich aufgehellt. Das entsprechende Barometer stieg im November auf plus 0,4 Punkte von minus 4,6 Zählern im Oktober, wie das Münchner Ifo-Institut bei einer Umfrage unter 2.300 Unternehmen herausfand. Positive und negative Bewertungen für die Aussichten in den kommenden drei Monate halten sich damit in etwa die Waage.



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