LBBW Morgeninfo: Anleger reagieren auf Powell zu euphorisch


Noch kein Grund zu großem Jube


Wie schon die Flash Estimates zur deutschen Teuerung am Dienstag signalisierten auch die gestrigen Zahlen für den gesamten Euroraum einen Inflationsrückgang: Nach 10,6% im Oktober legten die auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreise im November „nur“ noch um 10,0% zu. Grund zur großen Freude dürfte dies jedoch nicht sein. Schließlich liegen die Produzentenpreise – insbesondere in Deutschland – aktuell noch massiv über den Verbraucherpreisen. Daher ist zu vermuten, dass die Hersteller weiterhin versuchen werden, Teile ihrer gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiter zu geben. Selbst dann, wenn die Verbraucherpreisinflation entgegen unserer Erwartungen im Oktober bereits schon ihren Höhepunkt erreicht haben sollte, besteht kein wirklicher Grund zur Entwarnung: Auch wenn die Inflationsrate nun nachhaltig nach unten drehen sollte, läge sie noch lange Zeit weit oberhalb des Inflationsziels der Notenbanken von 2%. Auf Sicht wirken zwar Faktoren wie Gas- und Strompreisbremse inflationsreduzierend, hierzulande allerdings erst ab März 2023, wenngleich dann rückwirkend für Januar und Februar. Und auch das 49-Euro-Ticket soll nicht, wie lange Zeit diskutiert, bereits schon ab Januar kommen, sondern nun erst ab April. Zudem kann der in der Tendenz gesunkene Ölpreis derzeit noch keine inflationsmindernde Wirkung entfalten. Im Gegenteil, das aktuelle Preisniveau liegt nämlich um 14,4% über dem Durchschnittspreis vom Dezember 2021. Bliebe der Ölpreis jedoch auf dem gegenwärtigen Niveau, läge er damit aber bereits um 0,3% unterhalb des Mittelwerts vom Januar 2022. Seine volle inflationsmindernde Wirkung würde er allerdings erst im Frühjahr/Sommer 2023 entfalten. Schließlich notiert der Ölpreis aktuell beispielsweise bereits um 27,4% unterhalb des Mittels vom Juni 2022.

Einkaufsmanagerindizes im Blick


Der heute früh vermeldete chinesische Caixin-Index zum Verarbeitenden Gewerbe legte nach 49,2 Punkte im Oktober leicht auf 49,4 Zähler im November zu, verblieb damit aber im kontraktivem Bereich. Sein US-Pendant, der ISM-Index, steht für 16 Uhr auf der Agenda. Mit 50,2 Punkten landete jener zuletzt noch knapp oberhalb der Schwelle, welche eine expansive (>50) von einer kontraktiven (<50) Wirtschaft trennt. Im Konsens (49,8e) wird nun jedoch auch für die USA ein Abtauchen befürchtet.

Märkte haussieren wegen Powell


Nach der gestrigen Rede von Fed-Chef Powell haussierten die Aktienmärkte. Aber gibt es hierfür wirklich einen Grund? Powell ließ zwar durchblicken, dass bereits mit der Dezember-Sitzung die Zeit gekommen wäre, den Fuß etwas vom Gaspedal zu nehmen. Die Marktbeobachter hatten allerdings auch zuvor schon nahezu einmütig erwartet, dass nach einer Serie von vier Leitzinsanhebungen um jeweils 75 Bp. zum Jahresausklang nun wohl “nur“ noch ein 50-Punkte-Schritt folgen werde. Ohne hierfür eine explizite Zahl zu nennen, betonte Powell in seinem Statement jedoch, dass die Fed die Leitzinsen in der Spitze wohl über das im Rahmen ihrer Projektionen avisierte Niveau von 4,6% hinaus anheben werde müsse. Zudem sagte er, dass sie die Leitzinsen einige Zeit auf jenem Niveau belassen müsse um die Wirtschaft zu zügeln, was wohl als eine Absage an eine erste Zinssenkung schon im kommenden Jahr zu werten ist.



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