LBBW Morgeninfo: Achterbahn an den Kapitalmärkten


Sabotage an Pipelines und briti sches Wirtschaftsprogramm sorgen für Marktverwerfungen
Was für ein Tag gestern an den globalen Kapitalmärkten. Zunächst sorgte der Anschlag auf die NordStream-Pipelines weiter für Verunsicherung. Sicher scheint mittlerweile, dass es sich um Sabotage handelt. Wer dahinter steckt ist unbekannt. Der Anschlag macht einmal mehr deutlich, wie anfällig Europa für Angriffe auf kritische Infrastruktur ist. Des Weiteren wurde der Ausverkauf an den Aktien- und Rentenmärkten von den Nachwehen des geplanten wirtschaftspolitischen Shifts in Großbritannien noch befeuert. Der DAX rutschte zeitweise deutlich unter die 12.000 Punkte-Marke, die Renditen von 10j. Bundesanleihen schossen zwischenzeitlich auf über 2,34% nach oben. Die Wende an den Märkten kam gestern dann mit der Ankündigung der Bank of England pro Tag über die nächsten Wochen langlaufende britische Staatsanleihen im Volumen von über 5 Mrd. GBP zu kaufen. Der Ausverkauf des britischen Pfunds konnte damit allerdings nicht gestoppt werden, die Aktienmärkte konnten ihre Tagesverluste jedoch wieder komplett aufholen, die Renditen 10j. Bunds fielen wieder auf 2,12% zurück. Die am vergangenen Freitag angekündigte neue britische Wirtschaftspolitik schlägt international so große Wellen, dass sich selbst die US-Regierung einmischt und eine Rücknahme der angekündigten Steuersenkungen fordert.

Absturz GfK-Konsumklima
Gestern Vormittag wurde der GfK-Konsumklimaindex für Oktober veröffentlicht. Das Barometer der Nürnberger GfK-Marktforscher brach erneut stark ein und liegt mit einem Wert von minus 42,5 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung für Gesamtdeutschland. Hauptgrund für den Rückgang sind die höheren Energiekosten für die privaten Haushalte. Da es bei vielen Haushalten an Reserven fehlt, müssen als Konsequenz andere Konsumausgaben reduziert werden. Das schwache Konsumklima untermauert unsere Erwartung, dass eine Rezession in Deutschland und dem Euroraum nicht mehr zu verhindern ist. Die Frage ist nur, wie tief wird der konjunkturelle Abschwung ausfallen?

Heute: EWU-Wirtschafsvertrauen und dt. Inflationszahlen im Blick
Heute stehen zwei zentrale Events auf dem ökonomischen Datenkalender: Zum einen wird um 11 Uhr das Wirtschaftsvertrauen für den Euroraum für September veröffentlicht. Wir gehen von einem weiteren Absinken von aktuell 97,6 auf 96,0 aus. Zum anderen werden um 14 Uhr die vorläufigen Verbraucherpreise für September für Deutschland veröffentlicht. Aufgrund der weiter steigenden Energiepreise und dem Auslaufen des Entlastungspakets Ende August dürfte die Inflationsrate in Deutschland einen weiteren Schub bekommen. Nach einem Anstieg von 7,9% im August im Vergleich zum Vorjahresmonat, dürfte im September der Anstieg unserer Schätzung nach bei knapp 10% (9,7%) liegen. Auch für die nächsten Monate gehen wir von einem weiteren Anstieg aus. Erst im Februar/März 2023 dürfte dann langsam der Scheitelpunkt erreicht sein. Bis dahin wird die EZB sukzessive die Leitzinsen weiter deutlich nach oben schrauben.



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