LBBW Morgeninfo: Fed bleibt hart im Antiinflationskampf


Sskalation im Russland-/Ukraine Krieg, Märkte reagieren gelassen
Durch die jüngste Ankündigung einer Teilmobilmachung hat der russische Präsident Putin eine neue Eskalationsstufe im Russland-/Ukraine-Krieg eingeläutet. Die Mobilmachung und eine erneute Drohung mit atomaren Waffen dürften Russland in der aktuellen schwierigen Situation an den aktuellen Frontlinien jedoch zumindest auf kurze Sicht wenig weiterhelfen. Das Momentum am Frontverlauf liegt klar auf ukrainischer Seite. Die Kapitalmärkte reagierten gestern Vormittag vergleichsweise gelassen auf die neuen Entwicklungen im Russland-/Ukraine-Krieg. Die Aktienmärkte legten im Vorfeld der Fed-Sitzung sogar leicht zu.

Fed konsequent gegen Inflation
Die US-Notenbank hat gestern Abend wie erwartet beschlossen, das Zielband für den Tagesgeldsatz um 75 Basispunkte auf 3,00% - 3,25% anzuheben. Es ist die insgesamt fünfte Leitzinsanhebung in Folge und der dritte "Jumbo"-Schritt seit Juni. Per Jahresende 2022 avisiert die Notenbank ein Leitzinsniveau von 4,4%, per Ende 2023 könnte der Leitzins laut „Dot Plot“ bei 4,6% seinen Gipfel erreichen. Auf dieser Basis avisiert der neue geldpolitische Ausblick der Fed ein weiteres substanzielles Vordringen der Leitzinsen in den restriktiven Bereich – die Fed-Schätzung für den neutralen Leitzins liegt unverändert bei 2,5%. Die US-Notenbank hat damit eindrucksvoll ihre Rolle als Vorreiterin unter den großen Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation untermauert. Die jüngst veröffentlichten US-Inflationsdaten, insbesondere die unerwartet hohe Kernrate, ließen ihr kaum eine andere Wahl. Die Aussichten für ein schnelles Abebben des Inflationsdrucks sind nicht gut. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war der gestrige Schritt daher nicht das letzte Wort, was durch die neuen Leitzinsprojektionen untermauert wird. Demgemäß sind weitere 125 Bp. bis zum Jahresende 2022 drin – mindestens. Implizit signalisieren die neuen Projektionen zwar, dass die Zinsschritte gegen Jahresende etwas kleiner werden könnten. Zudem könnte recht bald im kommenden Jahr ein Plateau ausgebildet werden. Aber beides ist nicht in Stein gemeißelt, weil die Neigung in den vergangenen Monaten stets zu Überraschungen auf der Oberseite ging. Sowohl der US-Rentenmarkt als auch der US-Aktienmarkt reagierten angesichts der ausgeprägt "hawkishen" Leitzinsprojektionen mit Verlusten. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen schnellte kurzzeitig auf ein Elfjahreshoch von 3,62% empor, im Saldo bewegte sie sich aktuell zum Vortag leicht niedriger bei 3,53%. Der Kurs des Euro sackte zum US-Dollar auf ein 20-Jahrestief von 0,9815 ab.

Ausblick – nach der Fed und BoJ ist vor der SNB und der BoE
Nachdem die US-Notenbank gestern aktiv wurde, erwarten wir für heute eine Zinserhöhung um 50 Bp. der schweizerischen und eine um 75 Bp. der britischen Notenbank. Die Aktienmärkte werden wohl weitere Verluste hinnehmen müssen. Die Aktienfutures auf beiden Seiten des Atlantiks liegen aktuell deutlich im negativen Bereich.



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