MÄRKTE AM MORGEN | Abgerechnet wird zum Schluss


Der Spätsommer über Deutschland geht in die Verlängerung, und auch der Blick auf den DAX stimmt Anleger wieder freundlicher. Zwar steht der Index seit Jahresbeginn noch rund 4,6 Prozent im Minus. Auf der anderen Seite legte der Markt aber seit dem Monatstief bereits wieder um knapp vier Prozent zu und steht seit Ende August nahezu unverändert. Für den sonst meist schlechten Börsenmonat September fällt die Bilanz bisher somit erfreulich aus. Abgerechnet wird aber bekanntlich zum Schluss. Ein Blick in die Statistik mahnt zur Vorsicht: Im saisonalen Durchschnittsverlauf zeigen die Börsen meist erst ab dem 22. September eine ausgeprägte Schwäche.

Jubelstimmung in den USA

Zum Wochenschluss bleiben aber zunächst die Bullen am Ruder. Dow Jones und S&P 500 erreichten neue Bestmarken, für den Dow war es das erste Rekordhoch seit Januar. Anleger setzen weiter auf eine starke US-Konjunktur, die jüngsten Stimmungsbarometer überraschten positiv. Zudem gab es keine neuen Meldungen im Handelsstreit. Im Dow notierten mit Ausnahme von Chevron und Home Depot alle Titel im Plus. Intel schafften mit mehr als zwei Prozent Aufschlag den Sprung an die Spitze der Gewinner.

Nachbörslich erwiesen sich allerdings die Zahlen von Micron Technologies als Dämpfer, die Aktie sackte um sieben Prozent ab. Im vierten Quartal verdiente der Halbleiterhersteller zwar mehr als erwartet. Der laufende Handelsstreit wird sich aber negativ auf das Geschäft auswirken, insgesamt enttäuschte der Konzern mit seinem Ausblick auf das laufende erste Quartal.

In Japan blieben Banken- und Versicherungswerte gefragt, hier stützen weiter die anziehenden Renditen. Die richtungsweisenden zehnjährigen US-Anleihen liegen deutlich über der Drei-Prozent-Marke, auch die Rendite der sehr langen japanischen Staatsanleihen steht auf dem höchsten Niveau seit April 2017. Der Nikkei erreichte den höchsten Stand seit acht Monaten und treibt auch den DAX an, der vorbörslich rund 0,6 Prozent höher bei 12.400 Punkten erwartet wird.

Euro zieht an

Allerdings werden Anleger auch den Devisenmarkt engmaschig verfolgen. Bereits gestern rückte der Euro kräftig vor, der Weg zum Drei-Monats-Hoch oberhalb von 1,18 Dollar scheint frei. Seit Mitte August legte der Euro gegen den Dollar bereits um mehr als vier Prozent zu. Neben einer höheren Risikobereitschaft profitiert der Euro auch von den Brexit-Verhandlungen. Sollte es hier zu einer guten Einigung kommen, steigen nach Meinung einiger Marktteilnehmer die Chancen für eine restriktivere Geldpolitik der EZB im kommenden Jahr. Dies könnte die zahlreichen exportabhängigen Unternehmen im DAX belasten.

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